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Afrika – Uganda

Auszüge aus dem Reisebericht von Michaela Brehm, März 2017

Kurz vor der Ankunft in Entebbe Flughafen sehe ich das Land Uganda das erste Mal von oben. Ich bin jetzt schon begeistert von den Seen, Moorgebieten und diesem vielen, vielen Grün…

Normalerweise befände ich mich jetzt auf meiner Arbeitsstelle in Würzburg als Hörakustikerin. Doch seit vielen Jahren verfolge ich den Traum, einmal in ein Entwicklungsland zu reisen um dort zu helfen. Und nun habe ich es geschafft. Durch die große Unterstützung meiner Chefs darf ich im Rahmen des Projektes „Hilfe für gehörlose Kinder in Afrika“ Gutes bewirken. Ich bin fast da und habe die feste Intention Kindern von drei Gehörlosenschulen mit Hörsystemen zu versorgen.

Beim Aussteigen aus dem Flieger empfangen mich warme Sonnenstrahlen mit sommerlichen Temperaturen und die Reise geht mit dem Taxi noch einige Stunden in das Dorf Bwanda weiter, zur Schule für taub-blinde und gehörlose Kinder…

Am nächsten Tag geht die Arbeit für uns los. Auf dem Plan stehen Hörtests über Hörtests und für jene Kinder mit Restgehör noch Ohrabformungen. Es ist schön, die Freude in ihren Augen zu sehen, wenn sie feststellen, dass sie über den Kopfhörer ja tatsächlich einen Ton wahrnehmen können. Was sie nicht wissen ist, dass der Ton die 100-deziBel-Marke bereits überschritten hat.

Nachdem sich herausgestellt hat wen ich mit Hörsystemen versorgen darf, beginne ich die Abformungen zu Ohrpassstücken zu präparieren und passende Geräte auszusuchen. Nach immer wieder kehrenden Stromausfällen und dauerndem, ungeduldigen Nachfragen der Kinder gelingt mir das innerhalb der nächsten anderthalb Tage.

Es ist endlich soweit. Über Kabel schließe ich die Hörsysteme an meinem Laptop an, stelle sie auf die entsprechenden Hörkurven der Kinder ein und gebe ihnen die Hörsysteme ans Ohr…

Da ist es, das plötzliche Innehalten, Lauschen, Wahrnehmen... Da ist auf einmal eine Flut von Hörreizen, welche bisher nie existent waren. Jemand knallt eine Türe zu, jemand spricht, ein anderer tritt gegen das Tischbein…

Sie hören jemanden das erste Mal ihren Namen aussprechen. An Nachsprechen ist jedoch nicht zu denken. Es kommen Versuche, die meist in etwas Ähnlichem wie einem „ba…ba...“ enden.

Es folgt über Gebärdensprache die Aufklärung, wie man ein solches Gerät bedient, einsetzt und auch, auf was sie im Alltag achten müssen.

Dann entlassen wir sie aus dem ruhigen Anpassraum hinaus in die doch so geräuschvolle Welt…

…Nach einer guten Woche Arbeit in Bwanda, ausgefüllt mit Hörgeräteanpassungen und Bestandsaufnahme sowie Aktualisierung der Daten für die Patenkinder, geht für uns die Reise weiter zu zwei weiteren Schulen, Isingiro und Ntungamo…

Erklärung zum besseren Verständnis...


…den frisch mit Hörgeräten versorgten jungen Menschen stehen erst einmal Neugier, Spannung, aber auch Angst vor dem Unbekannten ins Gesicht geschrieben. Über die Angst vor dem Unbekannten möchte ich gerne ein paar Worte loswerden.

Ein Baby, welches gehörlos geboren wird, wächst auf in einer Welt von Gestiken und Mimiken. Musik, Geräusche, Worte sind fremd, waren nie existent.

Wie soll ein gehörloses oder stark schwerhöriges Kind also Sprache erlernen?

Sprache erlernen bedeutet nicht nur Sprache verstehen, es bedeutet auch Sprache zu sprechen. Der Großteil der Kinder, die vor mir saßen, hörten niemals jemanden ihren Namen rufen, weder konnten sie ihren eigenen Namen je jemandem mitteilen.

So, nun komme ich mit ´zig Hörgeräten im Gepäck und möchte sie zu Hörenden machen.

Plötzlich Gehörsinn, macht das Sinn? Die Angst ist verständlich.

Aber das macht es. Sie bekommen jetzt die Chance zu erlernen, was wir als hörend geborene ganz „selbst verständlicherweise“ fast immer konnten.

Sie lernen, wie sich eine Türe anhört, die gerade ins Schloss fällt, lernen, wie sich ein Auto anhört, das sich ihnen nähert. Sie lernen, sich anhand von Geräuschen zu orientieren, auf Musik zu tanzen oder vielleicht später einmal jemandem ihren Namen mitzuteilen…


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